Ich und die andern ICH's

 

Warum solltest du diesen Blogartikel lesen?

Du möchtest genauer hinschauen, welche Facetten du eigentlich alle in dir trägst.

Du möchtest wissen, warum verschiedene Rollen in deinem Leben zu leben nichts mit Schauspielerei zu tun hat.

Du möchtest die Vielfalt deiner Persönlichkeit (wieder) mehr leben.

 

 

Es gibt nicht nur ein ICH… es gibt so viele davon

 

Ich gebe zu, diese Überschrift hört sich vielleicht im ersten Moment etwas seltsam an. ICH? Davon gibt es nicht nur eins? Hast du dich schon mal gefragt, wie sich dein ICH zusammensetzt? Was dich und letztlich deine Persönlichkeit, erst so einzigartig macht?

 

Ich hatte in den letzten Tagen ein paar Gespräche mit Freunden, in denen wir über das Thema Rollenvielfalt gesprochen haben. Ja, solch ein Thema geht etwas über Klatsch und Tratsch hinaus, ich gebe es zu :). Wir haben darüber gesprochen, dass die Vielfalt eines jeden Menschen, aus der Summe seiner verschiedenen Rollen geformt ist, die er je nach Situation und Bedürfnis einnimmt und lebt.

 

Der Begriff „Rolle“ ist für viele Menschen im ersten Moment allerdings eher negativ besetzt. Einige verbinden damit etwas Dargestelltes oder Gekünsteltes – Jemandem etwas vormachen und sich dabei verstellen. Für mich ist eine Rolle schlichtweg eine meiner Facetten meiner Persönlichkeit, die mich zu dem macht, was ich bin.

 

Lass mich dir ein paar Beispiele meiner Rollen/Facetten geben, um es greifbarer zu machen:

 

Ich lebe zum Beispiel die Rolle/Facette

  • der professionellen Trainerin und Unternehmensberaterin, die immer gerne einen Plan und Struktur hat
  • der Bloggerin und Coach, die ihre volle Leidenschaft lebt und erfüllt ist von immer wieder neuen Ideen
  • der Tochter, die eine starke Verbindung zu ihren Eltern hat und noch heute befüllte Tupperdosen mit nach Hause bekommt
  • der verrückten Patentante, die sich freut, wenn sie mit ihrem Patenkind ausgelassen toben kann und die Trampoline der Region unsicher macht
  • der vollkommen Ahnungslosen, wenn es um das Thema Technik geht und die so dankbar dafür ist, eine Freundin zu haben, die ein echter IT-Nerd ist und mich immer gerne mit einer Engelsgeduld und viel Lachen unterstützt
  • der Zurückgezogenen, die viel Zeit und Ruhe für sich braucht und dabei neben dem Wälzen von Büchern auch mal Netflix zum Glühen bringt
  • der Kreativen, die beim Gestalten von Bildern und beim Ausprobieren des Super-Trends „Handlettering“ Raum und Zeit vergisst
  • der Freundin, die mit ihren Freunden stundenlang über Gott und die Welt sprechen kann, um im Anschluss wild durchs Wohnzimmer zu tanzen

Und das sind nur ein paar Beispiele. Ich bin mir sicher, auch du trägst ebenso viele Rollen und Facetten in dir, die dich erst so unglaublich einzigartig machen.

 

Ich möchte dir im Folgenden drei Schritte vorstellen, wie du zum Einen deine Vielfalt für dich sichtbar machen kannst, wie du zum Anderen herausfindest, ob du diese bereits so lebst, wie du es dir wünschst und zu guter Letzt, wieviel Raum du deiner eigenen Vielfalt gibst.

 

 

Schritt 1: Mach deine Vielfalt sichtbar!

 

Nimm dir dazu, gerne auch später, einfach ein Blatt Papier und notiere für dich, welche Rollen du alle in dir trägst und einnimmst. Gib Ihnen gerne einen Namen, wie „die Kreative“, „der Freund“, „der Vorgesetzte“ etc. Wie sehen diese Rollen aus? Was macht die jeweilige Rolle aus und welches Gefühl verbindest du mit dieser?

 

Nimm dir hierzu ausreichend Zeit und spür mal in dich hinein. Was ist da alles in dir? Vielleicht sind manche Rollen und Facetten ganz präsent und manche weniger.

 

 

Schritt 2: Lebst du deine Vielfalt?

 

Vielleicht kennst du das auch, dass es da eine Rolle oder vielleicht auch mehrere gibt, die nicht so ganz zu dir passt. Oder vielleicht auch „nicht mehr“ zu dir passt. Die weniger deinem Selbst entspricht, sondern eher dem, was andere in dir sehen sollen. Denn Hand auf’s Herz und mal ganz unter uns, jeder von uns möchte anerkannt und geliebt werden. Das ist schlichtweg eins unserer Grundbedürfnisse.

 

Aber manchmal möchten wir das im Innersten so sehr, dass wir eine Rolle einnehmen, die nicht zu uns passt, nur um dazu zu gehören oder gemocht zu werden. Und schnell merken wir, dass sich das gar nicht so gut anfühlt. Dass wir das Gefühl haben uns manchmal in dieser Rolle zu verstellen. Das hat dann wirklich etwas mit Schauspielerei zu tun. So hart es klingen mag. 

 

Unsere Leichtigkeit und Freude finden wir erst dann wieder, wenn wir diese Rolle verlassen. Das kann ganz schön viel Kraft kosten und uns auf Dauer auch sehr belasten. Vor allem, wenn wir einen Großteil unserer Zeit in dieser Rolle verbringen.

 

Frag dich an dieser Stelle doch mal:

  • Inwieweit kennst du dieses Gefühl?
  • In welcher deiner, in Schritt 1 notierten Rolle, geht es dir so?
  • Was lebst du in dieser Rolle, das eigentlich nicht so wirklich zu dir passt? (z. B. mega taff sein, meine Meinung zurückzuhalten, Dinge von denen ich nicht wirklich überzeugt bin zu tun, über blöde Witze lachen, stumpf Regeln befolgen etc.)
  • Was hindert dich daran, diese Rolle einfach umzuschreiben?
  • Wie könntest du diese Rolle gestalten, damit sie wieder zu dir passt?

Vielleicht möchtest du morgen schon damit beginnen, diese Rolle anders für dich zu leben, indem du dir zum Beispiel vornimmst, öfters mal deine Meinung zu vertreten, auch mal „Nein“ zu sagen oder nicht mehr über die blöden Witze des Chefs zu lachen. Ganz egal was es sein mag, du bist der Regisseur, der im übertragenen Sinne das Skript schreibt und seine eigenen Rollen definiert! Und manchmal ist es einfach auch an der Zeit, eine Rolle vollkommen abzulegen. Auch das kann und darf sein.

 

 

Schritt 3: Wieviel Raum gibst du deiner Vielfalt?

 

Ich habe oben schon beschrieben, dass wir manchen Rollen von uns einen größeren Raum geben als anderen. Und das ist auch ganz normal. Wichtig ist, dass es sich für uns gut anfühlt und vor allem, dass wir all unseren Rollen und Facetten Raum schenken, um unsere Vielfalt zu leben.

 

Ich selbst merke zum Beispiel manchmal, dass ich so beschäftigt bin, dass ich meiner Rolle „der Kreativen“ viel zu wenig Raum lasse. Dabei ist das eine meiner Facetten die ich sehr liebe und die mir viel Kraft gibt. Wenn mir dies bewusstwird, versuche ich mir den nötigen Raum hierfür zu schaffen. Manchmal blocke ich mir sogar einen Termin im Terminkalender, damit es einfach im Alltagsstress nicht untergeht. So eine Verabredung mit dir selbst, kann ich dir übrigens nur ans Herz legen. :) Dann freue ich mich schon Tage vorher darauf, dass ich bald wieder so richtig kreativ sein kann und überlege mir, was ich so alles machen möchte.

 

Frag dich an dieser Stelle doch auch mal:

  • Welcher deiner Rollen gibst du im Moment zu wenig Raum?
  • Welche Rolle ist vielleicht sogar fast schon in Vergessenheit geraten?
  • Wie kannst du diese Facette wieder mehr leben? Was müsstest du hierfür tun?
  • Welches Gefühl verbindest du mit dieser?
  • Stell dir vor, du lebst diese Facette ab morgen wieder mehr. Was wäre dann anders im Vergleich zu jetzt?

 

Vielleicht kannst du Rollen auch miteinander verbinden. In meinem Beispiel könnte ich sogar zusammen mit Freunden kreativ sein und einen lustigen Abend verbringen. Denn an dieser Stelle sei gesagt, du kannst auch mehrere deiner Facetten gleichzeitig leben, nicht immer nur eine. Manchmal wechseln diese auch in kürzester Zeit und geben sich die Klinke in die Hand. Ich erlebe dies zum Beispiel in Workshops. Ich bin dort in der Rolle der Trainerin oder Moderatorin die stets einen Plan zur Hand hat, die aber auch in einzelnen Sequenzen kreativ mit den Teilnehmern arbeitet, in der nächsten mit den Teilnehmern zur Ruhe kommt und jedem seinen eigenen Raum gibt. Auch mir selbst.

 

Du siehst, so unterschiedlich deine Rollen und Facetten sind, so vielfältig kannst du sie auch leben.

 

 

Erlaube dir selbst ein buntes Leben!

 

Lange Zeit habe ich mir selbst nicht zugestanden all meine Rollen und Facetten zu leben. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich für eine Facette entscheiden oder habe versucht in der einen Rolle, die anderen Rollen zu verbergen. Vielleicht kennst du das ja auch. Schließlich soll doch auf der Arbeit, wo ich ein professionelles Bild abgeben möchte, niemand wissen, dass ich am Wochenende auch mal lachend auf dem Trampolin rumspringe. Warum aber eigentlich nicht? Macht uns das nicht erst alle interessant und vor allem authentisch?

 

Das Ganze war für mich ein Prozess über ein paar Jahre, bis für mich klar war, ich muss mich nicht entscheiden, ich darf alles leben und zwar mit ganzem Herzen! Und das ist einfach wunderbar und noch dazu auch so befreiend.

 

Erlaube auch du dir, all das zu leben, was dich so einzigartig und dein Leben so bunt macht. All deinen ICH´s ausreichend Raum zu gegeben und dich in jeder Form anzuerkennen, so wie du bist.

 

Auf unsere ICH´s, all unsere Vielfalt, die wir in uns tragen und all die Möglichkeiten, die wir uns damit erschaffen!

 

Sabrina

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