Selbstfürsorge ist keine Belohnung

 

Warum solltest du diesen Blogartikel lesen?

Du fühlst dich oft gestresst und fremdbestimmt oder vielleicht ist es schon zu einem Dauerzustand bei dir geworden.

Du vertrittst die Meinung „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ und merkst, dass das Vergnügen schon lange in den Hintergrund gerutscht ist.

Du möchtest erfahren, was Selbstfürsorge bedeutet und hilfreiche Impulse für deine Praxis erhalten.

 

 

„Endlich Urlaub. Endlich nicht arbeiten. Endlich mal nichts tun.“ – Diesen Satz höre ich ganz oft und jedes Mal macht er mich auf´s Neue sehr betroffen. Denn hinter diese Aussage steckt soviel. Fremdbestimmtheit, getrieben sein, Stress, ein viel zu hohes Leistungspensum, ein enormer Anspruch an sich selbst usw. Kurzum, für mich ist all dies oft die Folge mangelnder Selbstfürsorge. 

 

Leider ist das Wort „Selbstfürsorge“ gefühlt mittlerweile irgendwie negativ behaftet. Als wenn Selbstfürsorge bedeutet, dass ich nichts Besseres zu tun hätte oder einfach nur faul herumliege. „Für Selbstfürsorge habe ich keine Zeit.“ Auch solche Aussagen höre ich häufig. Aber auch sowas wie „Ich würde ja gerne, aber…“ oder „ich weiß ich sollte, aber…“.

 

Dabei bedeutet Selbstfürsorge nicht mehr und nicht weniger als gut für mich selbst zu sorgen. Auf mich und meine Bedürfnisse zu achten, um mir selbst und all dem, was ich tagtäglich leiste, gerecht zu werden.

 

Warum folgt Selbstfürsorge dann oft einer Wenn-Dann-Funktion? 

 

Erst wenn ich das und das erledigt habe, gönne ich mir eine Auszeit. Erst wenn ich das und das gemacht habe, belohne ich mich mit… . Als wenn wir uns erst verdienen müssten für uns zu sorgen. Und überhaupt, gibt es eigentlich dieses „alles erledigt haben“? Ich kann für mich sagen, dass ich wohl niemals alles erledigt haben werde. Denn dafür kommen mir auf der Zielgeraden dahin wieder viel zu viele neue Dinge in den Kopf, die ich machen könnte oder neue Ideen, die ich gerne verfolgen würde.

 

Sebastian Fitzek hat es in einem seiner Psychothriller im Vorwort (ja, ich bekenne mich gerne Psychothriller zu lesen und zu hören ;)) einmal schön beschrieben. Er sagte sowas wie „Ich werde wohl nie fertig sein mit einem Buch. Wenn der Verlag mir nicht Deadlines setzen würde, wäre wohl auch noch keins meiner Bücher erschienen. Vielmehr geht es darum, den Moment abzupassen, wo ich loslasse und nicht auf den Moment zu warten, an dem ich fertig bin.“ Das beschreibt es aus meiner Sicht ganz gut und bringt viele Dinge, auch in meinem Leben, sehr auf den Punkt. 

 

Denn auch ich werde in manchen Dingen wohl nie fertig werden und versuche manchmal viel zu lange, dies nicht zu sehen und mir selbst das Gegenteil zu beweisen. Es gibt immer irgendwo noch ein „anders“, „besser“ oder „mehr“. Oft muss ich mir selbst Deadlines setzen und Raum schaffen, um durchzuatmen. Nicht als Belohnung für etwas, sondern vielmehr als Selbstverständlichkeit. Denn ich brauche den Raum, meine kleinen Inseln und Auszeiten, um Kraft zu tanken, kreativ zu sein und meinen Blick wieder zu weiten. Ich brauche diesen Raum, zu mir zu kommen, bewusst Entscheidungen zu treffen und wieder fokussierter zu sein. 

 

Wenn wir uns selbst diese Auszeiten nicht nehmen, verzichten wir auf all das. Wir werden merken, dass wir diese Auszeiten immer nötiger und dringender brauchen. Wir werden merken, dass wir nicht mehr all das leisten können, was wir uns eigentlich wünschen. Wir werden merken, dass unsere Konzentration und auch unsere Leistung abnehmen. Vielleicht zeigen sich sogar schon körperliche Symptome (z. B. Rückenschmerze, Schlafprobleme, kreisende Gedanken, wenn es dann mal still wird und von denen wir uns dann schnell wieder versuchen abzulenken). 

 

Selbstfürsorge bedeutet also nicht, nichts zu tun, sondern viel mehr, so für uns zu sorgen, dass wir überhaupt auf Dauer Leistung erbringen können, einen klaren Kopf behalten und uns darüber hinaus wohlfühlen. 

 

In unserer heutigen Gesellschaft ist „Stress“ leider zu einem Statussymbol geworden. Schon fast ein Wettkampf. Wer hat am meisten zu tun? Wer arbeitet am längsten? Und oft wünsche ich mir, dass das Thema Selbstfürsorge ebenso ein Statussymbol wird und das oftmals bestehende Statussymbol „Stress“ ablöst. Denn Selbstfürsorge zollt von Eigenverantwortung; Disziplin, diese zu praktizieren; einem hohen Grad an Selbstreflexion und nicht zuletzt an einem stabilen Selbstwert, denn wir müssen es uns auch selbst wert sein für uns zu sorgen. Stress hingegen bedeutet meiner Meinung nach oft genau das Gegenteil. 

 

Daher darf dieser Artikel dir einen liebevollen und doch auch auffordernden Impuls geben, dich dem Thema Selbstfürsorge in deinem Leben zu widmen. Denn die Verantwortung hierfür liegt bei dir. Nur du weißt, was du brauchst, in welchem Umfang und in welcher Form – niemand sonst kann dir dies geben. Und schon gar nicht, wenn du deine restliche verbliebene Kraft dafür aufwendest, im Außen zu suggerieren, dass dir all das, was du leistest, nichts ausmacht und schier mit Leichtigkeit gelingt. 

 

Daher dürfen dich die folgenden Impulse und Fragen inspirieren und dich dabei unterstützen, in Zukunft mehr oder konstanter für dich zu sorgen. 

 

Und wenn du möchtest, dann mache aus dem Beantworten der nachfolgenden Fragen gerne schon eine erste kleine Auszeit, indem du es dir mit einer Tasse Tee, Kaffee oder einem anderen Lieblingsgetränk gemütlich machst und dich die nächsten Minuten ganz mit dir beschäftigst. Mit dir und was das Thema Selbstfürsorge für dich bedeutet. 

 

Denn schließlich sollte Selbstfürsorge keine Belohnung für irgendetwas sein, was du vorher geleistet haben musst. Vielmehr sollte es zu einer bedingungslosen Selbstverständlichkeit für dich werden und die gleiche Priorität für dich haben, wie dein aller wichtigstes To-do auf deiner To-do-Liste!

 

Impuls 1

 

Angenommen, du schenkst dir selbst jeden Tag oder jede Woche einen gewissen (Zeit-)Raum, in dem du für dich sorgen darfst. Wie sähe dieser Raum aus? Wie groß ist er? Bist du alleine in diesem Raum? Welches Gefühl möchtest du in diesem Raum haben? Wonach sehnst du dich?

 

Impuls 2

 

Was würdest du in diesem Raum tun? Was macht dich glücklich, lässt dich zur Ruhe kommen, in deinen Flow oder bereitet dir einfach Freude? Sammle für dich einige Punkte. Und wenn du merkst, dass du hier ins Stocken gerätst und dir erstmal gar nichts einfällt, dann ist es wohl um so wichtiger hier dran zu bleiben ;).

 

Impuls 3

 

Wie kannst du dir diesen Raum regelmäßig schaffen? Und zwar nicht als Belohnung für etwas, sondern aus dem puren Selbstverständnis heraus, dass dieser Raum notwendig und wichtig ist. 

Was „regelmäßig“ dabei für dich bedeutet, bleibt dir überlassen, denn schließlich sollte Selbstfürsorge nicht in Stress ausarten ;). Vielleicht möchtest du dir feste Zeiten hierfür blocken, vielleicht auch mit liebevollen Erinnerungen dein Bewusstsein schärfen, wann du diesem Raum benötigst, um ihn dir dann konsequent zu nehmen.

 

 

Wichtig ist bei all dem nicht die zeitliche Dauer, sondern vielmehr die Intensität. Ob es ein Tag, eine Stunde oder 10 Minuten sind und das einmal oder mehrfach in der Woche oder am Tag, ist ganz gleich. Nur du weißt am besten, was du brauchst und nur du kannst am besten für dich sorgen. Nimm diese Verantwortung (wieder) zu dir! 

 

Alles Liebe

 

 

Sabrina

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Kommentare: 1
  • #1

    Anna (Freitag, 17 September 2021 09:26)

    Hallo Sabrina, vielen Dank für deine Zeilen. Sehr wahr und inspirierend und auf jeden Fall wert, es immer wieder neu zu versuchen. Liebe Grüße, Anna